Freitag, 30. März 2012

Das Wort The Word

Das Wort, mit dem Gott die Welt erschuf, muss eine Frage gewesen sein.

The word, with which god created the world must have been a question.

Donnerstag, 22. März 2012

Jerusalem

Jerusalem


Meer
dein Geliebter, Ismael
Leben
in leer getrunkenen
Handschalen – Mond
dein Geliebter, Ismael
Pupille
in lichtlosen
Augen –
Wald
dein Geliebter, Ismael
Blattschatten
in der Wüste

Sonne
dein Geliebter, Israel
Wärme
in der Tribolumineszenz
des Geistes – Wind
dein Geliebter, Israel,
Aufatmen
im Herzen
der Nacht –
Sterne
dein Geliebter, Israel
Ewigkeitsrauch
deiner Trauer

Aber das Meer ist bitter,
Ismael, der Mond
hungert und
die Schatten –
die Sonne
brennt dich zu Asche,
Israel, der Wind
verweht dich
wie Sterne

Mittwoch, 29. Juni 2011

Verfall

Verfall



Mir fault ein Gedichtgeruch
aus dem Maul. Unter jedem
Zahnstein
gärt
ein Eiterbeutel
Bedeutung.
Den Wörtern Kronen auf-
zusetzen stellt sich als Fehler heraus: abgeschliffen
und verkappt
verzetteln sie mich umso schneller – nur
ein vergoldeter
Schmerzrest
fibert durch das Satzgerüst findet
keinen Halt.
Die Wortwurzeln weigern sich zu tragen
unbelegt
weicht das Sprachfleisch zurück wenn
(bakteriellem Rasen entgraben)
ein Wortgesicht
erscheint.

Entzündet bis auf den Knochen
fallen den alten Zeilen
die Buchstaben aus –

sechsundzwanzig; mehr

waren es

nie

Mittwoch, 15. Juni 2011

Mutter Nacht, Schwester Mond

Mutter Nacht, Schwester Mond



Mutter Nacht
Schwester Mond
meinabgewandt den
Rücken zugekehrt
den bleichen Arsch
der Mond ein
schwarzes Loch
Arschloch
das Winde bläst
Regen scheißt oder
Eingang
zur dunklen Höhle Nacht
da schläft die Sonne
mit der Nabelschnur
um den Hals
im Kaminfeuer
wie Holzscheite
brennen die Sterne
Weltraumspermien
im Strom der Dunkelheit
feuerwärtsschwimmend
durch den Mond
in die Nacht

draußen

ist es zu hell

jetzt für mich -

Samstag, 23. April 2011

Sch’ma Schaddaj

Sch’ma Schaddaj



Unter der Haut der Toten Schädel
Gehäus der Dämmerung, der Nacht
Wort für Wort
lastet schwerer der Lärm
auf feinen Rissen zarter Knochenschalen:
Verwesung umschließend
werden sie zerbrechen
im Plappern der Welt
bald.

Mein morsches Totenhaus
stinkt. Meine Worte
sind ausgezogen. Nichtsgerede
zerspringt wie Glas mir
widrig im Mund. Blut spucke ich
auf den Schatten des Todes
auf den blinden Spiegel
meiner Gedanken.
Jemand

hat ihn zerbrochen. Wer? Und wessen Hände
tasten nach den Scherben?
Durch mein Gehäus ziehn endlos Bilder ohne Worte
und manchmal schrei’ ich Worte ohne Sinn.
Kein Wort hat mehr ein Spiegelbild
und keinem Bild wüsst’ ich ein Wort.
Selbst die Spiegelscherben
sind mir entfallen:
Verlor’nes Muster
welches niemand
deuten
wird.

Dienstag, 19. April 2011

Osterbeichte

Osterbeichte


Der Kaplan vor mir
sündlos wie ein silberbetautes
Purpurei: sein Gott-Dotter umhüllt
vom weissen, sanften Speck
der Vergebung.

Meine Lippen formieren oblatenrund
hungrige Pilger mit langen Haken
(Mutterbrustfänger, Kindskopfhenker, Beischlafzänker)
und Saugwürmer, die aus Traumschnecken fallen. Die schleimen
blutige Spursätze auf den Kreuz
weg von mir zu ihm:
ein gebärendes, wimmelndes
Fussbodenmenetekel ein
Kreuzzug dabei
ins Allerheiligste einzudringen
Wort für Wort
sich hineinzuschmausen
zukreuzzukrauchen
zum Anfang.

Angreifbar
ruht der Gott-Dotter
tabernakelgleich
unter Priesterfleisch und Fastentalar.

Meine Sünden werden sich
durchschmarotzen
denke ich

als er mir die Absolution erteilt

ihnen den Rückweg versperrt
von seinen Träumen
in meine.

Donnerstag, 14. April 2011

RONDO

RONDO


Die alten Geigen fielen aus der Zeit
Und spielen auf zu ewiger Gegenwart:
Die Zukunftslieder sind Vergangenheit.
Kein weg zurück. Und niemand schreit.
Die Kinder schlafen nicht.
Die Greise tanzen.

Denn rund und rund in seinen Läufen
Wie unaufhaltsam trieb ein Feuerrad
Viel Menschen in den Tod und Rauch stieg auf
Zum schwarzen Himmel. Da begann zu kreisen
Der Henker neues Ringelspiel.

Wohin denn ihr? Längst hat die Sonne
Euer Fleisch verbrannt und die Erde zu Staub.
Dort wächst kein Gras mehr, wo der Regen fällt.
Auf tote Seen sinken schwere Nebel.
Von nassen Buchen taumelt
Graues Laub.

Wie rund und rund in seinen Läufen
Schon fast vergessen trieb ein Feuerrad
Viel Menschen in den Tod und Rauch stieg auf
Zum Himmel unter dem sich langsam dreht
Der Henker dunkles Ringelspiel

So irrt der Tod im Kreis, im Kreis
Durch Tag und Nacht auf breiten Asphaltstraßen.
Kadaver spült der Fluss ins Meer.
Kadaver trägt das Meer an Land.
Die Sieben Raben hacken müde in den Wunden
Der Leichen im schwarzen Sand.

Denn rund und rund in seinen Läufen
Und ungeachtet treibt das Sonnenrad
Viel Wesen in den Tod und Dampf steigt auf
Zum Himmel unter dem sich schneller dreht
Des Henkers großes Ringelspiel. Indessen können

Die Feueröfen alter Zeit
Besichtigt werden jederzeit
Solange noch Zeit ist.

DA CAPO AL FINE

Samstag, 9. April 2011

Pan

Pan


Wenn der Kuckuck ruft, voll Angst,
zum siebten Mal:
gehe hinaus aus dem Wald,
weiter und immer weiter –
gehe:
in den lautlosen Abend der verlorenen Zeit.
Der Weg brennt
im flimmernden Licht
der sinkenden Sonne.
Gehe:
aber der Weg ist
ohne Ende.
Gehe:
aber den Horizont wird die Sonne
niemals erreichen.
Doch gehe: denn vielleicht
kannst du dem Weg ohne Raum
eine kleine Flamme der Ewigkeit
stehlen
und der Sonne ohne Zeit
ein flackerndes Irrlicht
des Unendlichen.
Gehe.

Kehrst du zurück in den Wald, voll Angst,
wird der Kuckuck
siebenmal
schweigen.

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