Die Zeit der Reise
Eine gegenüber einem System bewegte Uhr geht gegenüber dessen Uhren, an denen sie vorbeizieht, langsamer.
(Einstein, Spez. Relativitätstheorie)
Die Zeit der Reise
Als die Gestalten von Mann und Sohn - beide winkend - endlich immer kleiner wurden: als sie schließlich, kaum mehr erkennbar, zu existieren aufhörten in ihrem Raum und ihrer Zeit: als sie endlich das Winken aufgeben konnte mit dem erleichternden Gefühl, nicht mehr lügen zu müssen: als sie also das Fenster schloss und sich - zumal allein im Abteil - auf brüchigrotem Kunstleder; hinter staubbetropfter Fensterscheibe beinah geborgen fühlte: da plötzlich empfand sie die Veränderung, die sie zu dieser Reise genötigt hatte, als weniger bedrohlich, weniger nah und vielleicht schon: weniger endgültig.
Es war ungewöhnlich gewesen, auf der Strecke B. - O. (Abfahrt des Zuges: 16.34, Gleis 4) einen alten Abteilzug zu finden, und ein leeres Abteil, um diese Zeit; aber wie gewöhnlich saß sie auf einem linken Fensterplatz (Fahrtrichtung); wie gewöhnlich auch hatte sie sich - Schutz suchend? möglicher Nähe vorbeugend? - gleichsam verkrochen hinter: Rucksack, schwarz, geräumig, auf dem Sitz daneben, Parka (mit Kunstpelzfutter, etwas schäbig, aber immerhin: warm) auf dem Sitz gegenüber.
Sie kramte in ihrem Rucksack nach: Tabak, Filterschachtel, Blättchen, Drehmaschine, Feuerzeug, Fahrkarte, legte die Karte (teuer, nicht vorbestellt) griffbereit auf die Ablage unter dem Fenster, klappte die kleine Tischplatte herunter, drehte sich eine Zigarette, zündete sie an und bemerkte dabei - eher beiläufig - dass ihre Hände nicht mehr zitterten und: sie hatte keine Angst.
Erst jetzt - innehaltend - fiel ihr auf, dass sie [i]seitdem[/i] oder genauer: seit sie Ärger, Zorn, Wut als unangemessen verdrängt, nur noch eines empfunden hatte: ausweglose Angst. Panik. Sagen: Sie haben sich verwählt. Auflegen. Sagen: Was geht mich das an, ich bin nicht, für die Sie mich halten. Sagen: Das ist ausgeschlossen, das ist ein Irrtum, das wird sich aufklären. Weglaufen. Tot stellen. Nicht-mehr-da-sein. Und: Ich will nicht. Ich kann nicht. Gebt mir mehr Zeit: Haltet mir die Zeit vom Leib!
Aber jetzt: dreieinhalb Stunden Fahrt (- fahrplanmäßige Ankunft des Zuges: 19.04 - ) das hieß: dreieinhalb Stunden Zeitlosigkeit; das hieß: dreieinhalb Stunden stehengebliebene Zeit; das hieß: dreieinhalb Stunden, in denen alles so sein würde, wie es sonst nicht mehr war und nie mehr sein wird: wie immer.
Dreieinhalb Stunden: wie immer. Dreieinhalb Stunden: ohne Zeit und ohne Angst.
So, rauchend, zurückgelehnt, genoss sie dies beruhigende (-valiumzehnstabilisierte - ) Gefühl, nicht denken zu müssen; beobachtete also - oder besser: nahm wahr - bald diesen, bald jenen Teil ihres Asyls: schmuddeligbraune, von Metallhaken zurückgehaltene Vorhänge; Großformataschenbecher unterm Fenster - natürlich wiedermal vollgestopft mit Apfelsinenschalen-Papiertaschentüchern-Kekspackungen; holzgerahmter Minispiegel zwischen mattroter Lehne und silbrigem Gepäckgitter - letzteres praktisch, ersterer sicher nicht, denn man konnte sein Gesicht in ihm sozusagen nur ratenweise betrachten und auch das nur unter den merkwürdigsten Verrenkungen -; daneben: ebenfalls holzgerahmtes, ansichtspostkartenschönes Landschaftsbildchen (- Besuchen Sie den Schwarzwald. Die Bahn bringt Sie hin. DB -); plus muffiggrauer Fussboden plus goldfarbengitterförmiges Entlüftungsrechteck (Bedienung: mühsam) in der Tür plus klemmende Aschenbecherschublädchen in Sitzlehnen, klein bis zur Unbrauchbarkeit plus trübfenstrig gefilterte Sonnenstrahlen: Puzzlespielteile, Collageschnipsel. Und doch: selbst die absurd konstruierende Einfallslosigkeit eines Picasso, selbst das zufälligste Zusammenwehen der Teile und Schnipsel hätte nie etwas Anderes hervorbringen können als eben: den Eindruck eines Eisenbahnabteils. Der Gedanke erschien ihr angenehm. Phantasieresistente Realität. Verlässlichkeit des Vorhersehbaren. Geschützt vor der Bösartigkeit unüberschaubarer Veränderungen: unverwundbar in der Freiheit der Unfreiheit. -
Bis jetzt hatte sie es vermieden, aus dem Fenster zu sehen.
Sie wusste ohnedies, dass auch ein Blick nach draußen ihr nur ein weiteres Mal bestätigen (- sie zwang sich, das bisher geflissentlich gemiedene Wort sogar halblaut aussprechend, zu einer gedanklichen Korrektur -) nein: vorgaukeln müsste, dass eben doch alles sei: wie immer. Realität, durch die man nur hindurchfährt, verändert sich nicht. Sekunde für Sekunde ein anderes Bild: das ist nicht Veränderung, das ist: Diaserienlangeweile. Film-Kino-Fernseh- Perspektive des Reisenden: zu viele Einzel-Teile verhindern Teilnahme, Anteilnahme. Eine Welt, die man zukeinerzeitankeinemort wirklich trifft, macht nicht betroffen - und bestenfalls registriert man: Geschehnisse, Ereignisse; Veränderungen, die einen eben am Ende unverändert zurücklassen. Anziehende Unverbindlichkeit einer Irr-Realität:
Nicht hinauslehnen. Do not lean out. Ne pas se pencher au dehors. E pericoloso sporgersi!
Sie schob sich in die Ecke, passte sich ihr an, klemmte den Kopf zwischen die Rückenlehne und das rote Ohrensesselohr des Sitzes: Sitz gerade!
Sei ruhig, sagte jemand in ihrem Kopf. Sei endlich ruhig. Du bist ja tot.
Tot? dachte sie. Wenn es so wäre, sollte ich mich darüber freuen. Aber ich traue dir nicht, hörst du? Das habe ich nie getan, und du wirst zugeben müssen, dass ich meine Gründe hatte. Oder meine Gründe habe? Einstweilen behalte ich lieber die Tür im Auge.
"Waren Sie das?" War ich das? Ja. Mea culpa. Sie bückte sich, hob den Zigarettenstummel auf, warf ihn in den Aschenbecher unterm Fenster, fuhr mit der Stiefelsohle über die Brandspur im Teppichbelag. War sie rot geworden? Sie war ziemlich sicher, dass sie rot geworden war. Tretet nicht auf die Teppichkanten, sonst nutzen sie sich zu schnell ab. Bring die Fransen nicht durcheinander. Kannst du denn nicht aufpassen?
"Ihren Fahrausweis, bitte!" Fahrausweis! Sie versteckte ihr Lachen hinter einem Lächeln, gab ihm ihre Fahrkarte, und auf einmal wurde sein Schaffnergesicht freundlich, nach O., sagte der runde Schaffnermund begeistert und wurde noch runder, da wohne ich, fahren Sie nach Hause?
Nach Hause? Sie versuchte, nachzudenken. Man konnte ja nicht einfach jemanden anlügen, auch einen Schaffner nicht, es ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch ans Licht der Sonnen, lüg mich nicht an, ich weiß sowieso, was du denkst. Ja, aber ich nicht, dachte sie. Wo bin ich denn zu Hause? In B. oder in O.? Ich müsste doch sicher bei dir zu Hause sein, oder? Andererseits...Sie dachte an den Mann und den Sohn, während sie den Schaffner ansah, der mit geduldig schiefgelegtem Kopf auf Antwort immer noch wartete, nein, nein, nicht nach Hause, glaube ich. "Nein“, sagte sie. Es war schließlich nicht ihre Schuld. Sie hatte eine Familie. Das musste man bedenken.
"Zu Besuch?" Mit einer kleinen, freundlichen Geste reichte er ihr die Karte. Als sie sie nahm, berührten sich ihre Hände. Er wusste natürlich von nichts, konnte von nichts wissen, er ging von Abteil zu Abteil, kontrollierte die Fahrkarten, wahrscheinlich war er immer freundlich, sogar, wenn jemand Löcher in den Teppich brannte, wahrscheinlich kannte er das, alles Routine, alles wie immer. Alles wie immer.
"Besuch?" fragte sie, sich und ihn, merkte beim Sprechen, dass das Wort sich richtig anfühlte zwischen Zunge und Gaumen: genau wie etwas Rundes, Makelloses, von dessen Süße man gar nichts gewusst hat, bevor es einem in den Mund geschoben wurde. Sie nickte: Ja, zu Besuch.
Mund auf! Augen zu! hörte sie die Stimme irgendwo in ihrem Kopf, fast gleichzeitig mit der des Schaffners; mit geschlossenen Augen sah sie, wie die Stimmen sich aufeinander zu bewegten, leuchtend, sinuswellenartig, wie sie sich übereinander schoben, gleich werden sie sich auslöschen, nein, sie gleiten weiter in die Synchronizität, in blendende Unüberhörbarkeit.
Der Impuls, sich die Ohren zuzuhalten, schien von ihren Handflächen auszugehen, eine unsinnige Geste, die sie gerade noch verhindern konnte.
"Entschuldigung?"
Der Schaffner setzte sich auf den türnahen Sitz, wie ein Wächter, stützte die Unterarme auf die Oberschenkel, ließ die Hände fallen und sah sie, mit immer noch schiefgelegtem Kopf, besorgt an.
"Wie lange Sie bleiben wollen. Geht es Ihnen nicht gut?"
Bleiben? Gehen? Sie wünschte, der da würde gehen.
So ein netter Mann, sagte die Stimme in ihrem Kopf, du könntest wenigstens so höflich sein, ihm zu antworten, wenn du schon nicht freundlich sein willst, was er natürlich verdient hätte. Also?
Sie seufzte, sagte, sie wisse es nicht, vielleicht drei Tage nur, wenn sie Glück hätte, vielleicht eine Woche, keinesfalls länger.
"Wen besuchen Sie denn?"
Offensichtlich saß sie in der Falle, denn sie hatte keine Ahnung, wie sie aus diesem Gespräch herauskommen könnte, ohne die Gefühle zu verletzten, die er doch möglicherweise haben musste? Als sie ihn ansah, konnte sie nicht herausfinden, ob sie die Unterhaltung beenden durfte - durch Schweigen oder durch einen Satz, der ihr sicher noch einfallen würde. Oder ob sie sie überhaupt beenden wollte.
"Meine Mutter", antwortete sie also.
Lüg mich nicht an. Wenn ich irgendwas nicht vertragen kann, dann, dass du mich anlügst.
Aber sie hatte nicht das Gefühl, dass sie log. Man wird mir erlauben, meine Mutter zu sehen, wenn ich es will, hätte sie vielleicht sagen sollen. Vielleicht muss ich sie auch sehen, obwohl ich es vielleicht gar nicht will. Warum bloß habe ich meinem Bruder nicht Bescheid gesagt?
Weil der Anruf nicht für dich war? Weil es ein Irrtum war? Eine falsche Verbindung? Weil es überhaupt keinen Anruf gegeben hat?
Die Stimme klang hoffnungsvoll, und der freundliche Schaffner nickte.
„Also sind Sie auch aus O?“
Was sollte die Frage? Nichts, nichts war: wie immer. Noch nie hatte ein Schaffner sie derart ausgefragt. Der schafft mich noch, dachte sie. Schaff mich doch, schaff mich doch, schaff mich doch, antworteten die Pleuelstangen und die Räder des Zuges auf den Gleisen, rollten hörbar über Schienennähte und Schwellen: schaffmichdochschaffmichdochschaffmichdoch.
Aus O.? Nein, sie kannte O. überhaupt nicht. Damals.Es war heiß, es war Sommer, und draußen zwischen Fensterglas und blauem Himmel flog in hastigen Stößen der rußige Atem der großen Dampflokomotive vorbei: haschmichdochhaschmichdochhaschmichdoch. Sie hatte ihre Nase an die Fensterscheibe gepresst, die Landschaft war flach wie die See, auf die sie zueilte, die Bäume hielten ihre Gesichter dem Wind entgegen, in dem ihr Kraushaar landeinwärts zu fliegen schien, getrieben von den Wellen des fernen Meeres, und am Horizont entdeckte sie einen einzigen, festen Punkt, um den gelbe und grüne Wiesen mit schwarzweißen Kuhpunkten darauf in irrem Lauf zu kreisen schienen, sie konnte das Karussell in ihrem Bauch fühlen, und wie sich ihr eigenes Erstaunen ausdehnte, als sie rief: Ich kann sehen, wie die Erde sich dreht! Ich kann sehen, wie die Erde sich dreht!
Sie hörte sie lachen, Vater, Mutter und Bruder, und dann lauschte sie den dünner werdenden Worten ihrer Mutter, die ihr zu erklären versuchte, was das war: eine optische Täuschung: es ist nicht alles so, wie es zu sein scheint. Es ist nicht alles wahr, was man sieht. Haschmichdochhaschmichdochhaschmichdoch. Schaffmichdochschaffmichdochschaffmichdoch. Ob er das auch hörte? Aber die Ecke, in der der Schaffner gesessen hatte, war leer und der Zug stand in einem Bahnhof.
Die Erde hatte aufgehört, sich zu drehen.
Beinahe hätte sie es vergessen.
Sie stand auf, zog das Fenster herunter und fröstelte. Von Sommer keine Spur, und auch nicht von Seenähe: dies war Hannover Hauptbahnhof, Gleis 11, 16 Uhr 52; Weiterfahrt des Zuges 17 Uhr 5. Sie konnte doch unmöglich schon eine dreiviertel Stunde unterwegs sein? Sie rechnete nach: dreieinhalb Stunden minus, na, sagen wir: fünfundvierzig Minuten - in zweidreiviertel Stunden würde sie in O. aussteigen müssen.
Das Ergebnis überraschte sie. Ganze zwei Stunden und noch mindestens fünfundvierzig Minuten als Zugabe. Das war eine Menge Zeit. Genug Zeit, um alle Probleme der Welt zu lösen. Zum Beispiel das Problem unerwünscht zusteigender Fahrgäste: sie schob die schwarze Parka vom Fenstersitz auf den mittleren, warf den schwarzen Rucksack auf den türnächsten Platz und öffnete ihn; dekorierte eine silberne Thermoskanne, ein Buch mit einem grellroten Schutzumschlag, eine pinkbunte Tüte mit Joghurtgums, eine Tageszeitung und ein Stullenpaket auf den Nebensitzen, ließ sich auf den eigenen fallen, legte die Stiefelbeine nach Cowboyart auf die saubere Sitzfläche gegenüber und drehte sich, ohne viel Rücksicht auf rieselnden Tabak zu nehmen, die zweite Zigarette.
Auf jedem Bahnhof, besonders auf einem so großen Bahnhof, war es wichtig, die Tür nicht nur einfach im Auge zu behalten, sondern ihr einen Platz im äußersten Augenwinkel zu sichern, während man zur selben Zeit den Eindruck erweckte, sich einer Beschäftigung hinzugeben, bei der man unter keinen Umständen gestört werden wollte. Augenkontakt schien Waggonpassanten zu ermutigen, nach einem freien Platz zu fragen, und gerade noch rechtzeitig fiel ihr ein, das Fenster wieder zu schließen: Zigarettenrauch in kleinen, schlecht belüfteten Abteilen hielt die Platzjäger so sicher fern wie einen Schwarm grüner Mücken. Und dann waren da noch die verstreuten Gegenstände, die entweder einen sehr raum- und besitzergreifenden Reisenden oder aber vorübergehend abwesende Mitreisende vortäuschen sollten. Und dann war da noch sie, die schwarzgekleidete Fremde mit dem abweisenden Blick. Sie stellte sich den Anblick des Abteils, vom Gang aus gesehen, abschreckend genug vor, dachte sich hinaus als Mitreisende, als flüchtiges Gehplatzpublikum vor ihre Guckkastenbühne und fand ihre Vorstellung gelungen.
Sie nahm das Buch in die Hand und starrte auf den Schutzumschlag. Die Botschaft der Szene sollte jetzt so deutlich sein wie ein Aushängeschild: Ich bin eine egoistische, rücksichtslose und unmanierliche Person. Vielleicht sogar ungezogen. Spielt lieber nicht mit den Schmuddelkindern!
Überhaupt war alles ganz einfach. Wenn das hier erledigt wäre, wenn erst der Zug weiterführe, würde sie sich um die Einzelheiten der Beerdigung kümmern. Wovor hatte sie eigentlich Angst gehabt? Betrübt pustete sie ein wenig Asche von ihrem schwarzen Pulloverärmel und den schwarzen Jeans. Als vor zwanzig Jahren ihr Vater starb, hatte sie mit Trauerkleidung noch für Aufregung sorgen können, und in ihrer Aufregung hatten Freunde, Lehrer, Mitschüler, sogar Verwandte, für sie gesorgt, und die Rolle der siebzehnjährigen vaterlosen Halbwaisen war ihr wie auf den Leib geschrieben gewesen. (Sie erinnerte sich, besonders viel spazierengegangen zu sein, um Leuten, die sie kannten, Gelegenheit zu geben, sie anzusprechen.) Leider hatten sich die gesellschaftlichen Konventionen mit der Zeit geändert, und so war dieser besondere Bestandteil ihrer Inszenierung jetzt so gut wie unsichtbar. Nun, es war ohnehin niemand da, zum Glück. Sie legte den roten Band zurück auf den menschenleeren Nachbarsitz, nahm ein schwarzes Notizbuch und einen Kugelschreiber aus dem Rucksack, füllte den Becher der Thermoskanne mit Kaffee, klappte das Notizbuch auf, klickte die Mine aus der Kulispitze und beschloss, den Tatsachen ins Auge zu sehen.
Bitte zurückbleiben! Die Türen schließen selbsttätig. Vorsicht bei der Abfahrt des Zuges!
Im Licht der späten Oktobersonne sah die Zugfensterscheibe aus, als bestünde sie aus einer hauchdünnen Schicht panierten Regens.
Das schien nur dazu zu führen, dass die Sonne besonders sichtbar blendete. Sie blinzelte und sah auf den Kalender.
Sechzehnter Oktober, stand da, Donnerstag, und in der bemühten Filzstiftschrift eines Erstklässlers: OMAS GEBURTSTAG.
(Einstein, Spez. Relativitätstheorie)
Die Zeit der Reise
Als die Gestalten von Mann und Sohn - beide winkend - endlich immer kleiner wurden: als sie schließlich, kaum mehr erkennbar, zu existieren aufhörten in ihrem Raum und ihrer Zeit: als sie endlich das Winken aufgeben konnte mit dem erleichternden Gefühl, nicht mehr lügen zu müssen: als sie also das Fenster schloss und sich - zumal allein im Abteil - auf brüchigrotem Kunstleder; hinter staubbetropfter Fensterscheibe beinah geborgen fühlte: da plötzlich empfand sie die Veränderung, die sie zu dieser Reise genötigt hatte, als weniger bedrohlich, weniger nah und vielleicht schon: weniger endgültig.
Es war ungewöhnlich gewesen, auf der Strecke B. - O. (Abfahrt des Zuges: 16.34, Gleis 4) einen alten Abteilzug zu finden, und ein leeres Abteil, um diese Zeit; aber wie gewöhnlich saß sie auf einem linken Fensterplatz (Fahrtrichtung); wie gewöhnlich auch hatte sie sich - Schutz suchend? möglicher Nähe vorbeugend? - gleichsam verkrochen hinter: Rucksack, schwarz, geräumig, auf dem Sitz daneben, Parka (mit Kunstpelzfutter, etwas schäbig, aber immerhin: warm) auf dem Sitz gegenüber.
Sie kramte in ihrem Rucksack nach: Tabak, Filterschachtel, Blättchen, Drehmaschine, Feuerzeug, Fahrkarte, legte die Karte (teuer, nicht vorbestellt) griffbereit auf die Ablage unter dem Fenster, klappte die kleine Tischplatte herunter, drehte sich eine Zigarette, zündete sie an und bemerkte dabei - eher beiläufig - dass ihre Hände nicht mehr zitterten und: sie hatte keine Angst.
Erst jetzt - innehaltend - fiel ihr auf, dass sie [i]seitdem[/i] oder genauer: seit sie Ärger, Zorn, Wut als unangemessen verdrängt, nur noch eines empfunden hatte: ausweglose Angst. Panik. Sagen: Sie haben sich verwählt. Auflegen. Sagen: Was geht mich das an, ich bin nicht, für die Sie mich halten. Sagen: Das ist ausgeschlossen, das ist ein Irrtum, das wird sich aufklären. Weglaufen. Tot stellen. Nicht-mehr-da-sein. Und: Ich will nicht. Ich kann nicht. Gebt mir mehr Zeit: Haltet mir die Zeit vom Leib!
Aber jetzt: dreieinhalb Stunden Fahrt (- fahrplanmäßige Ankunft des Zuges: 19.04 - ) das hieß: dreieinhalb Stunden Zeitlosigkeit; das hieß: dreieinhalb Stunden stehengebliebene Zeit; das hieß: dreieinhalb Stunden, in denen alles so sein würde, wie es sonst nicht mehr war und nie mehr sein wird: wie immer.
Dreieinhalb Stunden: wie immer. Dreieinhalb Stunden: ohne Zeit und ohne Angst.
So, rauchend, zurückgelehnt, genoss sie dies beruhigende (-valiumzehnstabilisierte - ) Gefühl, nicht denken zu müssen; beobachtete also - oder besser: nahm wahr - bald diesen, bald jenen Teil ihres Asyls: schmuddeligbraune, von Metallhaken zurückgehaltene Vorhänge; Großformataschenbecher unterm Fenster - natürlich wiedermal vollgestopft mit Apfelsinenschalen-Papiertaschentüchern-Kekspackungen; holzgerahmter Minispiegel zwischen mattroter Lehne und silbrigem Gepäckgitter - letzteres praktisch, ersterer sicher nicht, denn man konnte sein Gesicht in ihm sozusagen nur ratenweise betrachten und auch das nur unter den merkwürdigsten Verrenkungen -; daneben: ebenfalls holzgerahmtes, ansichtspostkartenschönes Landschaftsbildchen (- Besuchen Sie den Schwarzwald. Die Bahn bringt Sie hin. DB -); plus muffiggrauer Fussboden plus goldfarbengitterförmiges Entlüftungsrechteck (Bedienung: mühsam) in der Tür plus klemmende Aschenbecherschublädchen in Sitzlehnen, klein bis zur Unbrauchbarkeit plus trübfenstrig gefilterte Sonnenstrahlen: Puzzlespielteile, Collageschnipsel. Und doch: selbst die absurd konstruierende Einfallslosigkeit eines Picasso, selbst das zufälligste Zusammenwehen der Teile und Schnipsel hätte nie etwas Anderes hervorbringen können als eben: den Eindruck eines Eisenbahnabteils. Der Gedanke erschien ihr angenehm. Phantasieresistente Realität. Verlässlichkeit des Vorhersehbaren. Geschützt vor der Bösartigkeit unüberschaubarer Veränderungen: unverwundbar in der Freiheit der Unfreiheit. -
Bis jetzt hatte sie es vermieden, aus dem Fenster zu sehen.
Sie wusste ohnedies, dass auch ein Blick nach draußen ihr nur ein weiteres Mal bestätigen (- sie zwang sich, das bisher geflissentlich gemiedene Wort sogar halblaut aussprechend, zu einer gedanklichen Korrektur -) nein: vorgaukeln müsste, dass eben doch alles sei: wie immer. Realität, durch die man nur hindurchfährt, verändert sich nicht. Sekunde für Sekunde ein anderes Bild: das ist nicht Veränderung, das ist: Diaserienlangeweile. Film-Kino-Fernseh- Perspektive des Reisenden: zu viele Einzel-Teile verhindern Teilnahme, Anteilnahme. Eine Welt, die man zukeinerzeitankeinemort wirklich trifft, macht nicht betroffen - und bestenfalls registriert man: Geschehnisse, Ereignisse; Veränderungen, die einen eben am Ende unverändert zurücklassen. Anziehende Unverbindlichkeit einer Irr-Realität:
Nicht hinauslehnen. Do not lean out. Ne pas se pencher au dehors. E pericoloso sporgersi!
Sie schob sich in die Ecke, passte sich ihr an, klemmte den Kopf zwischen die Rückenlehne und das rote Ohrensesselohr des Sitzes: Sitz gerade!
Sei ruhig, sagte jemand in ihrem Kopf. Sei endlich ruhig. Du bist ja tot.
Tot? dachte sie. Wenn es so wäre, sollte ich mich darüber freuen. Aber ich traue dir nicht, hörst du? Das habe ich nie getan, und du wirst zugeben müssen, dass ich meine Gründe hatte. Oder meine Gründe habe? Einstweilen behalte ich lieber die Tür im Auge.
"Waren Sie das?" War ich das? Ja. Mea culpa. Sie bückte sich, hob den Zigarettenstummel auf, warf ihn in den Aschenbecher unterm Fenster, fuhr mit der Stiefelsohle über die Brandspur im Teppichbelag. War sie rot geworden? Sie war ziemlich sicher, dass sie rot geworden war. Tretet nicht auf die Teppichkanten, sonst nutzen sie sich zu schnell ab. Bring die Fransen nicht durcheinander. Kannst du denn nicht aufpassen?
"Ihren Fahrausweis, bitte!" Fahrausweis! Sie versteckte ihr Lachen hinter einem Lächeln, gab ihm ihre Fahrkarte, und auf einmal wurde sein Schaffnergesicht freundlich, nach O., sagte der runde Schaffnermund begeistert und wurde noch runder, da wohne ich, fahren Sie nach Hause?
Nach Hause? Sie versuchte, nachzudenken. Man konnte ja nicht einfach jemanden anlügen, auch einen Schaffner nicht, es ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch ans Licht der Sonnen, lüg mich nicht an, ich weiß sowieso, was du denkst. Ja, aber ich nicht, dachte sie. Wo bin ich denn zu Hause? In B. oder in O.? Ich müsste doch sicher bei dir zu Hause sein, oder? Andererseits...Sie dachte an den Mann und den Sohn, während sie den Schaffner ansah, der mit geduldig schiefgelegtem Kopf auf Antwort immer noch wartete, nein, nein, nicht nach Hause, glaube ich. "Nein“, sagte sie. Es war schließlich nicht ihre Schuld. Sie hatte eine Familie. Das musste man bedenken.
"Zu Besuch?" Mit einer kleinen, freundlichen Geste reichte er ihr die Karte. Als sie sie nahm, berührten sich ihre Hände. Er wusste natürlich von nichts, konnte von nichts wissen, er ging von Abteil zu Abteil, kontrollierte die Fahrkarten, wahrscheinlich war er immer freundlich, sogar, wenn jemand Löcher in den Teppich brannte, wahrscheinlich kannte er das, alles Routine, alles wie immer. Alles wie immer.
"Besuch?" fragte sie, sich und ihn, merkte beim Sprechen, dass das Wort sich richtig anfühlte zwischen Zunge und Gaumen: genau wie etwas Rundes, Makelloses, von dessen Süße man gar nichts gewusst hat, bevor es einem in den Mund geschoben wurde. Sie nickte: Ja, zu Besuch.
Mund auf! Augen zu! hörte sie die Stimme irgendwo in ihrem Kopf, fast gleichzeitig mit der des Schaffners; mit geschlossenen Augen sah sie, wie die Stimmen sich aufeinander zu bewegten, leuchtend, sinuswellenartig, wie sie sich übereinander schoben, gleich werden sie sich auslöschen, nein, sie gleiten weiter in die Synchronizität, in blendende Unüberhörbarkeit.
Der Impuls, sich die Ohren zuzuhalten, schien von ihren Handflächen auszugehen, eine unsinnige Geste, die sie gerade noch verhindern konnte.
"Entschuldigung?"
Der Schaffner setzte sich auf den türnahen Sitz, wie ein Wächter, stützte die Unterarme auf die Oberschenkel, ließ die Hände fallen und sah sie, mit immer noch schiefgelegtem Kopf, besorgt an.
"Wie lange Sie bleiben wollen. Geht es Ihnen nicht gut?"
Bleiben? Gehen? Sie wünschte, der da würde gehen.
So ein netter Mann, sagte die Stimme in ihrem Kopf, du könntest wenigstens so höflich sein, ihm zu antworten, wenn du schon nicht freundlich sein willst, was er natürlich verdient hätte. Also?
Sie seufzte, sagte, sie wisse es nicht, vielleicht drei Tage nur, wenn sie Glück hätte, vielleicht eine Woche, keinesfalls länger.
"Wen besuchen Sie denn?"
Offensichtlich saß sie in der Falle, denn sie hatte keine Ahnung, wie sie aus diesem Gespräch herauskommen könnte, ohne die Gefühle zu verletzten, die er doch möglicherweise haben musste? Als sie ihn ansah, konnte sie nicht herausfinden, ob sie die Unterhaltung beenden durfte - durch Schweigen oder durch einen Satz, der ihr sicher noch einfallen würde. Oder ob sie sie überhaupt beenden wollte.
"Meine Mutter", antwortete sie also.
Lüg mich nicht an. Wenn ich irgendwas nicht vertragen kann, dann, dass du mich anlügst.
Aber sie hatte nicht das Gefühl, dass sie log. Man wird mir erlauben, meine Mutter zu sehen, wenn ich es will, hätte sie vielleicht sagen sollen. Vielleicht muss ich sie auch sehen, obwohl ich es vielleicht gar nicht will. Warum bloß habe ich meinem Bruder nicht Bescheid gesagt?
Weil der Anruf nicht für dich war? Weil es ein Irrtum war? Eine falsche Verbindung? Weil es überhaupt keinen Anruf gegeben hat?
Die Stimme klang hoffnungsvoll, und der freundliche Schaffner nickte.
„Also sind Sie auch aus O?“
Was sollte die Frage? Nichts, nichts war: wie immer. Noch nie hatte ein Schaffner sie derart ausgefragt. Der schafft mich noch, dachte sie. Schaff mich doch, schaff mich doch, schaff mich doch, antworteten die Pleuelstangen und die Räder des Zuges auf den Gleisen, rollten hörbar über Schienennähte und Schwellen: schaffmichdochschaffmichdochschaffmichdoch.
Aus O.? Nein, sie kannte O. überhaupt nicht. Damals.Es war heiß, es war Sommer, und draußen zwischen Fensterglas und blauem Himmel flog in hastigen Stößen der rußige Atem der großen Dampflokomotive vorbei: haschmichdochhaschmichdochhaschmichdoch. Sie hatte ihre Nase an die Fensterscheibe gepresst, die Landschaft war flach wie die See, auf die sie zueilte, die Bäume hielten ihre Gesichter dem Wind entgegen, in dem ihr Kraushaar landeinwärts zu fliegen schien, getrieben von den Wellen des fernen Meeres, und am Horizont entdeckte sie einen einzigen, festen Punkt, um den gelbe und grüne Wiesen mit schwarzweißen Kuhpunkten darauf in irrem Lauf zu kreisen schienen, sie konnte das Karussell in ihrem Bauch fühlen, und wie sich ihr eigenes Erstaunen ausdehnte, als sie rief: Ich kann sehen, wie die Erde sich dreht! Ich kann sehen, wie die Erde sich dreht!
Sie hörte sie lachen, Vater, Mutter und Bruder, und dann lauschte sie den dünner werdenden Worten ihrer Mutter, die ihr zu erklären versuchte, was das war: eine optische Täuschung: es ist nicht alles so, wie es zu sein scheint. Es ist nicht alles wahr, was man sieht. Haschmichdochhaschmichdochhaschmichdoch. Schaffmichdochschaffmichdochschaffmichdoch. Ob er das auch hörte? Aber die Ecke, in der der Schaffner gesessen hatte, war leer und der Zug stand in einem Bahnhof.
Die Erde hatte aufgehört, sich zu drehen.
Beinahe hätte sie es vergessen.
Sie stand auf, zog das Fenster herunter und fröstelte. Von Sommer keine Spur, und auch nicht von Seenähe: dies war Hannover Hauptbahnhof, Gleis 11, 16 Uhr 52; Weiterfahrt des Zuges 17 Uhr 5. Sie konnte doch unmöglich schon eine dreiviertel Stunde unterwegs sein? Sie rechnete nach: dreieinhalb Stunden minus, na, sagen wir: fünfundvierzig Minuten - in zweidreiviertel Stunden würde sie in O. aussteigen müssen.
Das Ergebnis überraschte sie. Ganze zwei Stunden und noch mindestens fünfundvierzig Minuten als Zugabe. Das war eine Menge Zeit. Genug Zeit, um alle Probleme der Welt zu lösen. Zum Beispiel das Problem unerwünscht zusteigender Fahrgäste: sie schob die schwarze Parka vom Fenstersitz auf den mittleren, warf den schwarzen Rucksack auf den türnächsten Platz und öffnete ihn; dekorierte eine silberne Thermoskanne, ein Buch mit einem grellroten Schutzumschlag, eine pinkbunte Tüte mit Joghurtgums, eine Tageszeitung und ein Stullenpaket auf den Nebensitzen, ließ sich auf den eigenen fallen, legte die Stiefelbeine nach Cowboyart auf die saubere Sitzfläche gegenüber und drehte sich, ohne viel Rücksicht auf rieselnden Tabak zu nehmen, die zweite Zigarette.
Auf jedem Bahnhof, besonders auf einem so großen Bahnhof, war es wichtig, die Tür nicht nur einfach im Auge zu behalten, sondern ihr einen Platz im äußersten Augenwinkel zu sichern, während man zur selben Zeit den Eindruck erweckte, sich einer Beschäftigung hinzugeben, bei der man unter keinen Umständen gestört werden wollte. Augenkontakt schien Waggonpassanten zu ermutigen, nach einem freien Platz zu fragen, und gerade noch rechtzeitig fiel ihr ein, das Fenster wieder zu schließen: Zigarettenrauch in kleinen, schlecht belüfteten Abteilen hielt die Platzjäger so sicher fern wie einen Schwarm grüner Mücken. Und dann waren da noch die verstreuten Gegenstände, die entweder einen sehr raum- und besitzergreifenden Reisenden oder aber vorübergehend abwesende Mitreisende vortäuschen sollten. Und dann war da noch sie, die schwarzgekleidete Fremde mit dem abweisenden Blick. Sie stellte sich den Anblick des Abteils, vom Gang aus gesehen, abschreckend genug vor, dachte sich hinaus als Mitreisende, als flüchtiges Gehplatzpublikum vor ihre Guckkastenbühne und fand ihre Vorstellung gelungen.
Sie nahm das Buch in die Hand und starrte auf den Schutzumschlag. Die Botschaft der Szene sollte jetzt so deutlich sein wie ein Aushängeschild: Ich bin eine egoistische, rücksichtslose und unmanierliche Person. Vielleicht sogar ungezogen. Spielt lieber nicht mit den Schmuddelkindern!
Überhaupt war alles ganz einfach. Wenn das hier erledigt wäre, wenn erst der Zug weiterführe, würde sie sich um die Einzelheiten der Beerdigung kümmern. Wovor hatte sie eigentlich Angst gehabt? Betrübt pustete sie ein wenig Asche von ihrem schwarzen Pulloverärmel und den schwarzen Jeans. Als vor zwanzig Jahren ihr Vater starb, hatte sie mit Trauerkleidung noch für Aufregung sorgen können, und in ihrer Aufregung hatten Freunde, Lehrer, Mitschüler, sogar Verwandte, für sie gesorgt, und die Rolle der siebzehnjährigen vaterlosen Halbwaisen war ihr wie auf den Leib geschrieben gewesen. (Sie erinnerte sich, besonders viel spazierengegangen zu sein, um Leuten, die sie kannten, Gelegenheit zu geben, sie anzusprechen.) Leider hatten sich die gesellschaftlichen Konventionen mit der Zeit geändert, und so war dieser besondere Bestandteil ihrer Inszenierung jetzt so gut wie unsichtbar. Nun, es war ohnehin niemand da, zum Glück. Sie legte den roten Band zurück auf den menschenleeren Nachbarsitz, nahm ein schwarzes Notizbuch und einen Kugelschreiber aus dem Rucksack, füllte den Becher der Thermoskanne mit Kaffee, klappte das Notizbuch auf, klickte die Mine aus der Kulispitze und beschloss, den Tatsachen ins Auge zu sehen.
Bitte zurückbleiben! Die Türen schließen selbsttätig. Vorsicht bei der Abfahrt des Zuges!
Im Licht der späten Oktobersonne sah die Zugfensterscheibe aus, als bestünde sie aus einer hauchdünnen Schicht panierten Regens.
Das schien nur dazu zu führen, dass die Sonne besonders sichtbar blendete. Sie blinzelte und sah auf den Kalender.
Sechzehnter Oktober, stand da, Donnerstag, und in der bemühten Filzstiftschrift eines Erstklässlers: OMAS GEBURTSTAG.
rivka - 12. Nov, 16:38
